Unterwegs mit Jonas

Aus dem Leben eines Flugbegleiters

Willkommen auf meinem Blog

on 10. November 2017 Kommentare deaktiviert für Willkommen auf meinem Blog

Hallo liebe Reiseenthusiasten, ich freue mich, ab sofort hier über meine Erlebnisse als Flugbegleiter auf der Langstrecke zu berichten. Ich hoffe, dass Euch meine Beträge nicht nur gefallen, sondern das ein oder andere Mal auch hilfreich sein werden. Selbstverständlich könnt ihr mich zu jedem Thema löchern: ob zu Reisezielen oder natürlich meinem Job über den Wolken.

Zunächst möchte Euch aber einen generellen Überblick zu dem Beruf in der Kabine geben. Regelmäßig werde ich gefragt, wie denn heutzutage das Leben bzw. das Arbeiten in der Luft so ist. Es wird oft erzählt, dass die glanzvollen Jahre als Flugbegleiter oder sogar im Cockpit vorbei sind. Klar, die Luftfahrt hat sich in den letzten 10 Jahren nochmals deutlich gewandelt. Auf der Kurzstrecke dominieren die Günstig-Airlines, die ihre Flieger abends vorzugsweise an der Homebase (so nennt man den Flughafen, an dem das Flugzeug stationiert ist) haben möchten, da das Kosten einspart. So entfallen nämlich (fast) sämtliche Lay-Over für die Crews. Zusätzlich ist kostenloses Catering überwiegend abgeschafft worden, so dass die Crews angehalten sind, auf einem noch so kurzen Hüpfer schnell einen Kaffee und ein Sandwich umzusetzen. In den kurzen Turnaround-Zeiten ist es zudem meist Aufgabe der Crews für ein sauberes Flugzeug sorgen. Nach 2-6 Legs pro Tag kommen die Flugbegleiter teilweise sehr geschafft am Heimatflughafen an, ohne etwas von der Welt gesehen zu haben. Sollte der Flieger dann noch Verspätung haben, ist man auch mal 2-3h später zuhause. Eine verlässliche Alltagsplanung sieht anders aus. Dennoch ziehen viele die Kurz- der Langstrecke vor, da ein Leben aus Koffern und in verschiedenen Zeitzonen nicht jedermanns Sache ist.

Übrigens, ein „Leg“ ist typisches Flieger-Sprech und beschreibt im Grunde einen Flug. Ein Hin-und Rückflug sind dementsprechend 2 Legs. Für eine Kurz- bzw. Mittelstreckencrew wird es z.b. bei einem Flug auf die Kanaren an einem Arbeitstag 2 Legs geben, da bei dieser Strecke schon mindestens ca. 11h Arbeitszeit zusammenkommen. Bei innerdeutschen bzw. sehr kurzen europäischen Strecken können es auch mal 6 Legs werden. Für 2 Legs sollte man auf jeden Fall ca. mindestens 3h kalkulieren: 1h Hinflug, 1h Turnaround, 1h Rückflug.

Auch auf der Langstrecke, die zunächst aufregend und exotisch klingt, ist nicht alles gold was glänzt. Zwar hat man bei den Interkontintenalflügen definitiv seine Hotel-Aufenthalte, die sich zunächst durch gesetzliche Vorgaben begründen. Die EU schreibt nämlich vor, dass eine Crew nur eine bestimmte Zeit auf dem Flieger arbeiten darf. Die Langstrecken sind in der Regel jedoch zu weit, dass eine Crew den Hin-und Rückflug nacheinander bestreiten könnte. größeren Airlines bieten normalerweise auch auf die Langstrecken eine hohe Frequenz an Verbindungen an (mindestens fünfmal in der Woche bis täglich), da dies besonders attraktiv für Geschäftskunden ist. In diesem Fall machen die Airlines vom sogenannten „Minimum Rest“ Gebrauch. Das ist jene Zeit, die die Crew sich gesetzlich vor Ort ausruhen muss. Diese kann teilweise nur 12h betragen, so dass die Crew ankommt, ins Hotel eincheckt und am nächsten Tag wieder zurückfliegen muss. In diesem Fall hat man vom Zielort dann nicht viel zu sehen bekommen. Wie der Minimum Rest am Ende wirklich errechnet wird und was dabei zu beachten ist, erkläre ich Euch gerne in einem meiner nächsten Beiträge.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass es bei uns (noch) anders zugeht. Unsere Airline fliegt derzeit viele Destinationen nur 2-3 Mal pro Woche, teilweise sogar nur einmal pro Woche an, so dass wir relativ lange Aufenthalte vor Ort genießen dürfen. Gerade kehre ich zurück von einem 5 Nächte/6 Tagestrip aus Puerto Plata (Dominikanische Republik). Da kann man schon mal richtig abschalten, das Land kennenlernen oder einfach die Hotelannehmlichkeiten schätzen lernen. Zwar ist die Anzahl der unserer Ziele übersichtlich, aus Crew-Sicht allerdings recht attraktiv im Vergleich zu den großen Linienfluggesellschaften, wo manche Stadt so gefährlich ist, dass es der Crew nicht erlaubt ist, das Hotel zu verlassen.

Für Abwechslung ist in diesem Job also gesorgt – sowohl and Land als natürlich an Bord: wie Ihr euch denken könnt, passieren in der Luft so einige kuriose Dinge, von denen ich Euch in den kommenden Episoden erzählen möchte. Nur so viel vorneweg: meistens sind dabei unsere Passagiere involviert, denn sobald über 300 Menschen 10 Stunden oder mehr zusammen in ein enges Metallgehäuse gesteckt werden, kann an so einiges erlebt werden.

Die Mehrzahl von Euch sind bestimmt schon einmal geflogen, viele werden regelmäßig für den Job oder Urlaub in die Luft gehen und mit den offensichtlichen Dingen, die an Bord passieren, vertraut sein. Mein Blog soll euch die Möglichkeit geben, einen besseren Einblick in den Flugbegleigter-Alltag an Bord und an Land geben: Wie werden wir geschult, wie bereiten wir uns auf einen Flug vor, wie sieht der Service an Bord aus oder wie funktioniert es eigentlich untereinander, wenn die Crews immer neu zusammengestellt werden? Falls jemand unter euch sich für den Job als Flugbegleiter interessiert, sollen meine Berichte viele möglichst authentische Einblicke geben. Für klärende Fragen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung.

Das soll es für meinen ersten Beitrag gewesen sein. Ich freue mich von euch zu hören bzw. wenn ihr bald wieder hier hereinschaut. Folgt mir gerne bei Instagram und/oder Facebook, dann seid ihr stets „up to date“ sobald der nächste Beitrag live ist.

Lieben Gruß, derzeit aus Punta Cana.

mhengstmannWillkommen auf meinem Blog